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| Vielfalt der Schmetterlinge |

"Nationalpark Kalkalpen: Ein Paradies für Schmetterlinge"
"Im Nationalpark Kalkalpen kommen mehr als 1500 verschiedene Arten von Schmetterlingen vor", erzählt Josef Wimmer, während gleich mehrere Falter des Schönbären vor ihm hinflattern. Er ist einer der profundesten Schmetterlingskundler. Ihm und seinen Kollegen der Entomologenrunde Steyr verdanken wir das Wisen um diese Vielfalt.
"Von den 4000 in Österreich vorkommenden Arten eine erstaunliche Vielfalt", resümiert Wimmer. Nur wo sind die alle, und wie leben sie?
Die Tagfalter und einige Tagaktive Nachtfalter, dies ist die Minderheit, haben aber mit den Besuchern des Nationalparks vieles gemeinsam: Nur bei Schönwetter sieht man sie häufig, sie lieben die bunten blütenreichen Berghänge, ziehen gerne an Forststraßen wilder Bachläufe und alter Laubwälder entlang.
Die bunte Vielfalt der Schmetterlinge beschränkt sich nicht nur auf die Flügelzeichnungen, Farben und Größe. Jeder aufmerksame Beobachter kann Unterschiede im Flugverhalten, in der Wahl des Lebensraumes und der Nahrung, in der Häufigkeit und Flugzeit einer jeden Art beobachten. Die Raupen vieler Schmetterlinge fressen nur an einer einzigen Pflanzenart. Zum Beispiel ist beim Zitronenfalter der Faulbaum die einzige Wahl. Der Kleine Fuchs, das Landkärtchen und das Tagpfauenauge sind auf die Brennnessel angewiesen. Manche Schmetterlingsarten haben wiederum eine extreme Bindung zu Tieren. So brauchen Bläulinge der Gattung Maculinea bestimmte Ameisen, in deren Nestern sich die Rauben entwickeln.
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Schmetterlinge haben hohe Ansprüche
Die hohen Ansprüche der Schmetterlinge setzen eine hohe Qualität des Lebensraumes voraus, der für das Vorkommen oder Fehlen vieler Arten entscheidend ist. In den vom Menschen stärker geprägten Kulturlaandschaften ist die Intensität der Bewirtschaftung ausschlaggebend. Zum Beispiel wird man auf gedüngten und damit nährstoffreichen "Löwenzahnwiesen" nur wenige Falterarten finen. Der Grund liegt in der Armut der Pflanzen, im Blütenmangel, dem eher kühl-feuchten Mikroklima, der dichten und üppigen Grasnarbe, dem die Raupen vieler Schmetterlinge nicht gewachsen sind, und dem häufigen Schnitt als generellen Störfaktor. "Magere", blütenreiche Wiesen mit nur einer Mahd sind im Vergleich, weitaus reicher an Schmetterlingsarten. Ähnlich ist es mit den Wäldern: Struktur- und unterwuchsreiche Misch- oder Laubwälderbestände sind die Wälder der Schmetterlinge, während sie in dichten und einheitlichen "Forstäckern" fehlen.
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Die sonnigen Hänge des Nationalparks mit ihrem Reichtum an Blütenpflanzen sind Paradiese für die Schmetterlinge. Um die heißeste Tageszeit sind sie am zahlreichsten zu beobachten. An den Bergdisteln laben sich Apollofalter und Schwalbenschwanz. In raschem Flug erscheint hie und da der große und düster gefärbte Trauermantel oder der leuchtend orangebraune Veilchen-Perlmutterfalter.
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Der Apollofalter:
Eine vom Aussterben bedrohte Art
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Schmetterlingsparadies auf über 1550 Metern
Mit den Almen ist es wie mit den Wiesen und Weiden im Tiefland: Viele verfallen und der Rest verliert in zahlreichen Fällen durch Düngung oder andere Intensivierungsmaßnahmen seine typische Artenvielfalt. Wenngleich durch den Menschen geschaffen, zählen extensiv beweidete Almen, einjährige Mähwiesen und wenig-jährige Brachen zu den artenreichsten Lebensräumen der Schmetterlinge.
Geschlossene Latschenbestände bieten nur wenigen Tagschmetterlinge einen geeigneten Lebensraum. Wo die Latschendecke aber lückig wird und sich erste Hochgebirgsmatten bilden, dort beginnte ein Schmetterlings-Dorado. So findet man auf den rotblühenden Leimkrautpolstern den Hochgebirgs-Perlmutterfaltern, der nur über 1500 Meter hauptsächlich auf den Matten der Gebirgsregionen vorkommt. Die Schmetterlinge der Gebirgsregion sind an raue Verhältnisse und raschen Wetteränderungen gut angepasst.
Wer einmal im Hochsommer bei unbeständigen Wetter unterwegs war, dem ist möglicherweise aufgefallen, dass die Falter nur bei Sonnenschein fliegen. Schiebt sich eine Wolke vor, dann verkriechen sie sich augenblicklich in der Vegetation,, kommen aber nach den ersten Sonnenstrahlen wieder hervor. Ähnlich ist es bei stärkerem Wind. Wälder bedecken den größten Teil des Nationalparks, im besonderen das Reichraminger Hintergebirge. Welche Schmetterlinge leben dort? Die von den Schmetterlinge bevorzugten Wälder sind lichte Laub- und Mischwälder mit reichen Unterwuchs (Kraut- und Strauchschicht) sowie einem vielfältigen Altersbau.
Im Nationalpark gehören zusätzlich lichte steilhangwälder, die in hohen Lagen von Fichten dominiert sind, zu den Falterreichen Lebensräumen. Die Tagfalter sind hauptsächlich an Waldrändern und Waldlichtungen anzutreffen, ihre Raupen zum Teil auf die Gehölze angewiesen. Der Große Schillerfalter und der stark gefährdete Große Eisvogel gehören durch ihre Größe, ihre Färbung und den eleganten Flug zu unseren schönsten Tagfaltern. Sie sind Baumkronenbewohner, die sich - vor allem die Weibchen - nur selten am Boden niederlassen.
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Besonders seltene Falter in Oberösterreich
Auf den Skabiosenblüten sitzen Blutströpfchen und Mohrenfalter und mit etwas Glück kann man auch den Skabiosen-Schreckenfalter beobachten, der zu den seltensten Faltern Oberösterreichs zählt. Ein dicker Brummer mit glasklar-durchsichtigen Flügeln schwirrt vorbei - wohl eine Hummel. Weit gefehlt: Der Hummel-Schwärmer sieht ihr täuschend ähnlich, ist aber ein Schmetterling. Doch nicht nur die sonnigen Berghänge mit ihren aufgelichteten Steilhangwäldern sind reichhaltige Falterbiotope: Auch an schattigeren und feuchten Stellen kann man hunderte Schmetterlinge bei einer einzigen Wanderung beobachten.
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Der kleine Fuchs
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Neben den Arten , die fast überall vorkommen, wie der Kleine Fuchs, der Bergweißling oder das Tagpfauenauge, gibt es in diesen feuchten "Hochstaudenfluren" eine spezielle Faltergemeinschaft, die sich von der vorher beschriebenen unterscheidet: Gelbgefleckter Mohrenfalter, Ampferfalter, Brauner Feuerfalter, Alpen-Perlmutterfalter und viele andere.
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Nachtfalter: Kein Überleben ohne Wald
In geschlossenen Wäldern findet man manche Spezialisten: das Wald-Brettspiel und den Gelbringsfalter. Auch der wegen seiner düsteren Färbung "Waldteufel" genannte Mohrenfalter Erebia aethiops hält sich oft im Waldinneren auf. Von den Nachtfaltern können viele sehr seltene Arten ohne Wald nicht überleben. Sei es, dass die Raupen Blätter und Nadeln der Bäume oder des waldunterwuchses benötigen, das ausgeglichene Kleinklima entscheidend für die Entwicklung ist oder sie für die Ünberwinterung oder Verpuppung bestimmte Lebensraumstrukturen brauchen. Jede zweite mitteleuröpäische Nachtfalterart hat einen Haupt- und Nebenwohnsitz im Wald!
Quelle: Rundschau & Wir 29.6.2006
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