Nur bei unseren Nachbarn wissen wir das sehr genau, weil die österreichische Küche ja zum Teil pan(ost)europäisch ist.
Wir beginnen die kulinarische EU-Erweiterungsreise in der Nachbarschaft.
Tschechien
"Als Böhmen noch bei Öst'rreich war ..." Böhmens gute Küche ist zum Teil "unsere", müsste also kaum vorgestellt werden: Gans, Ente, Svickova (Rindsbraten mit Wurzelrahmsauce), Prager Schinken, Schweinsbraten mit böhmischen Knödeln (Knedliky) und Kraut (Zeli). Als Dessert Tatschkerln (Taski) oder Buchtln. Als Verdauungshilfe den bittersüßen Becherovka. Zur Jause Brimsen mit Butter oder im Liptauer mit Brimsen.
Slowakei
Siehe Tschechien. Das Gansl hat hier noch größere Bedeutung und die Suppe Kapustinca. Kraut mit reichlich Speck kann ein Hauptgericht ersetzen.
Ungarn

Könnte Österreich überleben ohne ungarischen Paprika? Wir lieben die ungarische Küche, haben sie annektiert. Von der Salami über Nockerln, Gulasch (ist in Ungarn eine Galschsuppe), Pörkölt (= "unser" Gulasch), Krautfleckerln, Halaszle (Fischsuppe), Letscho, Krapfen ungarisch bis zur Gundelpalatschinke, Somloer Nockerl und Doboschtorte. Der Tokaj schmeckt uns auch wieder. Und vor allem: Wie wichtig ein extra großer Klecks Rahm bei vielen Gerichten ist, lehrten uns die Ungarn.
Slowenien
Ein kleines Land mit großer kulinarischer Abwechslung. Mittelmeerküche im Süden, alpine im Norden. Der Rohschinken (Prsut) kann es mit italienischem San Daniele aufnehmen. Strudel (Struklji) nicht nur süß, sondern vor allem salzig mit Fleisch- oder Grammelfülle als Vorspeise und Jause. Viele Rot- und Weißweine sind erstklassig.
Polen
Generell speist man zwar eher deftig, aber das Speisenangebot präsentiert sich recht vielfältig. Es ist zum

Teil von russischen, norddeutschen, sogar von österreichischen und in den Großstädten auch von französischen Einflüssen geprägt. Berühmt ist die Suppenküche, besonders Borschtsch (Kraut, Rote Rüben, Wurzelgemüse, Rindfleisch) und Linseneintopf mit Räucherwurst. Oft gibt's deftige Kohlgerichte. Bigos gilt als Nationalgericht: gedämpftes Sauer- und Weißkraut mit Faschiertem, Pilzen und Rotwein. Bigos schmeckt nur, wenn es mehrmals aufgewärmt wurde und ein bisserl angebrannt ist. Dazu Bier. Danach viel Vodka .
Malta
Fisch wird gern gegessen, als Nationalgericht gilt allerdings Kaninchen in Rotweinsauce. Kulinarische Einflüsse aus Italien, Arabien (z. B. Süßspeisen mit Datteln), Griechenland und Frankreich sind nützlich. Gegrillt wird gerne auf heißen Steinen. Die Fischsuppe Aljotta ist ein Gedicht, wenn man Knoblauch mag. Beliebtestes Getränk: Kinnie, eine Limo aus Bitterorangen und Kräutern.
Zypern
Fisch, Gemüse, Obst, Olivenöl, wenig Fleisch - viele lieben diese gesunde Küche, die sie aus Griechenland kennen. Dazu kommen auch im griechischen Teil der noch immer nicht vereinigten Insel türkische Traditionen, z. B. gekonnt zubereitete Fleischgerichte. Besonders beliebt: Schwertfisch, ein Eintopf aus Fleisch, Zwiebeln, Kräutern und Wein (Stifado) und Meze: bis zu 30 kleine Gerichte bei einer Mahlzeit. Weltbekannt ist der Süßwein (Comandaria), der aus in der Sonne getrockneten Beeren gepresst wird.
Estland
Beeinflusst von russischer, deutsche und dänische Kochtraditionen. Obwohl an der Ostsee gelegen wird ebenso gerne Fleisch und Geflügel wie Fisch

gegessen. Besonders beliebt sind Heringe, meist mariniert, Heringssalat mit Roten Rüben (Rossolye) und schon zum Frühstück geräucherte Heringe in Öl (Suitsuräimed ölis). Oft wird Erbsensuppe mit Selchfleisch serviert. Eine Besonderheit: Sehr oft wird Fisch und Fleisch in Milch gekocht.
Lettland
Nicht unähnlich der estischen Küche, aber weniger rustikal, feiner, skandinavischer. Letten lieben Geräuchertes (Fleisch und Fisch), Sauerkraut, von dem es viele Variationen gibt und gefüllte, gebackene Germ-Erdäpfelteigtaschen. Flüssige Spezialität ist der Kräuterbitter Balzams.
Litauen
Eher schlicht, herzhaft und solide. Fisch wird gerne gegessen, Rote Rüben und Pilze spielen eine große Rolle. Blynai (kleine Palatschinken) und Erdäpfelknödel, beides gefüllt mit Fleisch, Pilzen, Fisch, Topfen) sind beliebt, ebenso Slatibarscial, eine kalte Rote-Rüben-Suppe mit Eiern, Gurke, Rahm, Buttermilch und extra servierten Dill-Butter-Erdäpfeln.
Quelle: OÖN Peter Hirsch