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Vom Büroalltag in eine Wildwasserschlucht
Erlebnisbericht von Sandra Hummelberger, ventigo Redaktion
Fotos: Robert Humpl
Ob ich beim Canyoning der Pyhrn-Priel Erlebnisagentur dabei sein möchte, um darüber einen Bericht zu schreiben, wurde ich gefragt. Ich bin eigentlich nicht einmal schwindelfrei, hab’ noch nie etwas mit Klettern oder Abseilen zu tun gehabt, sitze aus beruflichen Gründen den ganzen Tag vor dem Computer, von besonderer Fitness kann also keine Rede sein: geradezu fantastische Vorraussetzungen für so eine Aktion also, hab’ ich mir gedacht. Ganz abgesehen davon hat mir die Vorstellung von steilen, nassen, rutschigen Felswänden buchstäblich kalte Schauer über den Rücken gejagt.
Die Angst besiegen
Ich bin dennoch mitgegangen und der Grund dafür war, weil ich mich über meine eigene Angst so geärgert habe, dass ich schließlich beschlossen habe, sie zu besiegen. Mitzubringen waren Badeanzug oder Badehose, Bergschuhe, Socken, ein Handtuch, ein zweites Paar Socken sowie ein zweites Paar Schuhe. Beim Treffpunkt hat sich jeder mit Namen und Händeschütteln vorgestellt und es wurden Fahrgemeinschaften gebildet mit dem Ziel „Höllgraben“ in der Rosenau am Hengstpaß. Beim Fußweg zur Einstiegstelle angekommen sollte das Abenteuer beginnen. Eine Auswahl an Neoprenanzügen in den verschiedensten Farben wurden aus den Kofferräumen geholt und vorab gleich einmal anprobiert. Helme, Sitzgurte, die Selbstsicherungsschlinge sowie Karabiner wurden ausgeteilt.
Jetzt ein Foto für den Fotografen: „Bitte recht freundlich!“ von rechts nach links: Ernst Lichtenwöhrer, Wolfgang Löger, Helmut Zörrer, André Hoser, Herbert Mayr, Harald Jansenberger, Karin Zeiner, Daniel Seebacher, Sandra Hummelberger, Roland Popp und Christoph Hüthmair (ausgebildeter Canyoning Guide) - das Bild läßt sich durch Anklicken vergrößern!
Wir werden uns also mit unserem Guide auf den Weg bergab durch den „Höllgraben“ machen, während unser Fotograf Robert Humpl von Harald Jansenberger die Stellen gezeigt bekommt, von wo aus er am besten fotografieren kann. Wie sich später herausstellen sollte, sind diese Stellen ohne gewagte Abseilaktionen von der Seite in die Schlucht gar nicht zugänglich, sodass ich hier herausheben möchte, dass der Mut und Einsatz des Fotografen, dem wir die nachfolgenden traumhaften Bilder verdanken, nicht zu unterschätzen ist.
Es geht los!
Nach einem steilen Abstieg durch den Wald wird schließlich das Bachbett erreicht und die mitgebrachte Ausrüstung angelegt. Hier erfolgen auch die letzten Anweisungen und Erklärungen unseres Guides. Wer bis jetzt noch keine „kalten Füße“ bekommen hat, der bekommt sie spätesten an dieser Stelle, denn ab sofort geht die „Wanderung“ im fließenden Wasser weiter, bei angeblich 6° Wassertemperatur. Erstaunlicherweise fühlt sich das Wasser jedoch mit Socken und Bergschuhen gar nicht so kalt an und auch für das erste Bad in einem Felsbecken ist wegen dem Neoprenanzug keine großartige Überwindung notwendig.
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| Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern! |
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Von nun an geht es stetig bergab, aber nicht sehr steil – bis zum ersten Wasserfall. Helmut und André haben auch keine Erfahrung mit dem Abseilen, zögern aber nicht lange und sind schnell unten. Jetzt komme ich dran und hätte es schon so gerne hinter mir, aber dieser Moment zieht sich endlos in die Länge. Unser Guide erklärt jetzt nämlich in aller Ruhe, wie die seitlichen Haken im Fels befestigt sind, zeigt uns welche Arten von Knoten es gibt, weshalb das Seil beim Canyoning andere Eigenschaften haben soll als beim Klettern und kommt erst dann zu den konkreten Verhaltensanweisungen für mich: „Weit Zurücklehnen, die Füße müssen einen rechten Winkel zur senkrechten Felswand bilden!“ Ich versuche, mir das ständig vorzusagen, denn mein Instinkt rät mir etwas anderes, nämlich erstens: „Nein, da kannst du nicht hinunter!“ und zweitens: „Wenn du da schon hinunter musst, dann, um Himmels Willen, klammere dich an wo du nur kannst!“
Tatsächlich ist es eine große Überwindung für mich, über die obere Wasserfallkante zu gehen und mich dabei auch noch weit zurückzulehnen. Der Halt des Seiles ist aber sofort spürbar und das Gefühl, mitten im Wasserfall zu stehen, kann ich jetzt unglaublich lange auskosten, denn unser Fotograf ist noch nicht soweit und ich werde deshalb nicht weiter hinuntergelassen. Da hänge ich also unter einer kalten Dusche, der Atem geht auf jeden Fall schneller, auch aufgrund des kalten Wassers. Dieses Erlebnis der Naturelemente Wasser und Fels hat schon eine seltsame Intensität.
Nach dem ersten Wasserfall sehe ich in die strahlenden Gesichter von denjenigen, die so etwas auch zum ersten Mal gemacht haben und mir wird bewusst, diese erste größere Hürde überwunden zu haben, ist tatsächlich ein extrem gutes Gefühl. |
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Insgesamt waren es 6 Wasserfälle
Die wildromantische Schönheit der Felsenschlucht mit ihren Engen, Felsbecken und Wasserfällen konnte ich nur am Rande wahrnehmen, so beschäftigt war ich mit der Aufgabe, in dieser Schlucht nach unten zu gelangen. Insgesamt waren es sechs Wasserfälle, die wir gemeinsam bezwungen haben, wobei der zweite und der letzte für mich wieder eine besondere Herausforderung waren.
Der zweite war etwa 10 Meter hoch und dadurch, dass rundherum seitlich ebenfalls steile Felswände aufragten, vermittelte er beinahe den Eindruck eines tiefen, dunklen Brunnenschachtes. Das letzte Stück konnte man sich mit Hilfe eines speziellen Knotens, den man am Ende löst, selbst abseilen oder aber in das darunter liegende tiefere Felsbecken springen. Mit dem Auftrieb des Neoprenanzuges ist dann das Schwimmen zum Ufer eine Kleinigkeit.
Der letzte Wasserfall fiel zunächst auch steil ab, endete jedoch nicht in einem Felsbecken, sondern wurde langsam etwas flacher und es breitete sich eine wunderschön weite, felsige Flusslandschaft aus, die man angeseilt hinunterrutschen konnte. Während ich von oben hinunter sah, irritierte mich allerdings vor allem, dass die Leute, die bereits unten waren, so klein erschienen.
Es war bis zum Schluss jedes Mal wieder eine Herausforderung, über die besagte Felskante zu gehen und von unten kamen mir die Wasserfälle immer viel freundlicher vor als von oben.
Das Gefühl danach
Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass das Abseilen wahrscheinlich die wenigsten Gefahren birgt, denn da wird vom Guide ohnehin besonders auf Sicherheit geachtet. Wichtig ist hier einfach nur das Vertrauen in den Guide und in das Material, dass die Anweisungen beachtet werden und man in der Lage ist, die eigene Unsicherheit zu überwinden. Es spielt sich eigentlich alles im Kopf ab, denn es ist kein Können, kein Vorwissen und nicht einmal eine besonders gute Kondition notwendig, um das erste Mal Canyoning zu gehen.
Die einzige wichtige Vorraussetzung ist eine gewisse Trittsicherheit, denn natürlich ist eine Wasser führende Schlucht generell unebenes und teilweise rutschiges Gelände. Diejenigen, die nicht besonders trainiert sind, werden am nächsten Tag, so wie ich, durch das bedachte Bergabgehen, ihre Oberschenkelmuskeln spüren.
Mit Sicherheit wird aber jedermann und vor allem auch jede Frau nach der erstmaligen „Bezwingung eines Canyon“ durch Abseilen, Springen und Schwimmen, mit einem gewissen Stolz an dieses besondere Naturerlebnis zurückdenken. |
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Infos & Kontakt zum Thema Canyoning in der Pyhrn-Priel Region:
Pyhrn-Priel Erlebnisagentur
Karin Zeiner 0664/ 4556394 oder Harald Jansenberger 0676/ 7400250
Web: www.pp-erlebnisagentur.at
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